Mittwoch, 13. April 2011

Die nächste Kürzung der Solarstromvergütung kommt

Laut Bundesnetzagentur wurden im letzten Jahr rund 7 GWp (Gigawattpeak) Photovoltaikleistung bundesweit neu installiert. Für die Branche ein Erfolg, trotz der drastische Vergütungskürzungen. Denn im Vergleich zum Jahr 2009 wird Strom aus Anfang des Jahres 2011 in Betrieb genommenen Anlagen mit 35 % weniger vergütet. Eine noch höhere Absenkung fordern Kritiker der Solarenergie. Der Branchenverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) und der Bundesumweltminister Röttgen (CDU) haben sich schon im Januar darauf verständigt, die Vergütung bei einer hochgerechneten Neuinstallation von über 3,5 GWp bereits zum 1. Juli 2011 zu senken, vorbehaltlich des gesetzlichen Beschlusses versteht sich. Basis für die Berechung der Absenkung wäre die neu installierte Photovoltaikleistung in den Monaten März bis Mai 2011. Die Kürzung würde je nach Marktwachstum abermals zwischen 3 und 15 % betragen.

Initiatoren mit Solarfonds im Bundesgebiet, stehen erneut vor der Hausforderung attraktive Beteiligungen zu konzipieren. Im Klartext: der Kaufpreis und die laufenden Kosten müssen so niedrig sein, dass die Rendite für den Anleger stimmt. Andernfalls bleiben die Zeichnungen aus, der Fonds verkommt zum Ladenhüter.

Der Chef, der auf Umweltfonds spezialisierten Chorus Gruppe, Peter Heidecker ist hingegen skeptisch und erklärt „Im Moment ermöglichen die Modulpreise eigentlich noch keine Anschaffungskosten, die zu ordentlichen Fondsrenditen führen. Ich befürchte, dass sich bei neu auf den Zug aufgesprungenen Initiatoren in der einen oder anderen Fondskalkulation Fehler wiederfinden und in deren Folge die Fondsprognose nicht erreicht wird. Zu niedrig angesetzte Fremdfinanzierungskosten, zu geringe Wartungskosten oder auch unrealistische Verkaufserlöse sind Stellschrauben, um die Prognoserendite optisch zu puschen.

Die Kürzungen in Deutschland sind ein Grund, weswegen zahlreiche Initiatoren den Weg ins Ausland suchen. Doch auch hier haben Initiatoren mit Kürzungen und Begrenzungen zu rechnen, jedenfalls dann, wenn ein gesetzlich geregelter Vergütungsmechanismus besteht.

Italien beispielsweise senkt die Vergütung mittelgroßer Solarparks vom 34,56 ct / kWh in 2010 in drei Schritten auf 25,6 ct / kWh bis Ende 2011 ab. Eine Hürde, die aus Sicht der Konzeption zu meistern ist, sagt Hermann Klughardt, Geschäftsführer von Voigt & Collegen aus Düsseldorf. „Wir als Emissionshaus und unsere Generalunternehmer können auf dieser Basis planen. Dank höherer Sonnenscheindauer und fallender Gestehungskosten, können sinkende Einspeisevergütungen ausgeglichen werden“.

Schwieriger ist die Situation in Frankreich, konstatiert Max-Robert Hug von Leonidas. „Bereits zum 01.09.2010 wurde die Vergütung um 10 % reduziert. Seit Dezember steht zudem fest, dass durch das eingeführte Moratorium nur noch Anlagen, bei denen noch bis August 2010 die Genehmigung beantragt, bestätigt und der Netzeinspeisepunkt bezahlt wurden, die hohe Vergütung aus dem ersten Halbjahr 2010 behalten wird.

Viel weiter im Westen, in Kanada laufen die Projektprüfungen bei MPC Capital auf Hochtouren. „Die Rahmenbedingungen des Solarstandortes Ontario im Süden Kanadas sind überzeugend. Uns liegen zahlreiche interessante Angebote vor“, sagt Michael Benninghoff, Pressesprecher des Hamburger Emissionshauses. „Doch in unserer Due Diligence zeigt sich: nicht jedes Projekt hält, was es im Angebot verspricht.“

Für Ulrich Uhlenhut, Vorstand der Wattner AG, liegt neben Großbritannien ein künftiger Markt in den USA. Eine gesetzlich geregelte Einspeisevergütung gibt es in den Vereinigten Staaten nicht. „Mit individuellen Power Purchase Agreements (PPA), etwa mit lokalen Energieversorgern, ist der langfristige Verkauf und die Vergütung des erzeugten Stroms abgesichert. Politische Stabilität, und ein ähnliches Werteverständnis sprechen unter anderem für den Standort USA.“

Fazit: Fondsinitiatoren sind verstärkt auch im Ausland auf der Suche nach Solarparks. Länder rücken ins Blickfeld, in denen individuelle Vereinbarungen und keine gesetzlichen Vergütungsregelungen den Stromverkauf sichern. Bei Fonds mit über Marktniveau liegenden Rendite bzw. Ausschüttungsprognosen ist zu prüfen, ob die Kalkulationsannahmen auf realistischem Niveau getroffen sind.

Beteiligungen in Stiftungen einbringen

Ausgangsgedanke
Ob mit kleinem oder großem Vermögen: Ziel aller Anleger (institutionell oder privat) ist es, eine möglichst hohe Rendite bei möglichst großer Sicherheit zu erzielen. Im Stiftungsvermögen kommt noch eine weitere Besonderheit hinzu: Um den Stiftungszweck zu erfüllen, sowie um ggf. den Stifter oder seine Familie und Nachkommen versorgen zu können, müssen regelmäßige Ausschüttungen generiert werden. Aus diesem Grunde haben Investmentgesellschaften spezielle Stiftungsfonds aufgelegt, die allerdings sehr stark in traditionellen Anlageformen verankert sind (meistens sind diese Fonds sehr anleihenlastig).

Traditionelle Anlageformen, also festverzinsliche Wertpapiere und Aktien, sind fester Bestandteil eines Portfolios. Die Renditechancen eines Vermögensportfolios steigen - bei gleichzeitig steigender Sicherheit - durch Beimischung traditioneller Anlageformen. Für diese Erkenntnis erhielt der Amerikaner Harry­ M. Markowitz 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Hinzu kommt noch eine weitere Besonderheit der derzeitigen volkswirtschaftlichen Situation. Nach wie vor sind Staatsanleihen viel zu hoch bewertet und in Zeiten in denen der Staat mit einer Schildkröte Privatanleger zum Kauf seiner Anleihen bewegen möchte, sollten gerade Stiftungen, traditionelle Kunden der Anleihen, darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, Gewinne mitzunehmen und zum Teil umzuschichten. Die immense Staatsverschuldung, die sich wie ein roter Faden durch die Staatengemeinschaften zieht, tut ein Übriges hinzu.

Beteiligungen in Krisenzeiten
Die Beimischung von geschlossenen Fonds ist ein wichtiger Baustein für jedes Portfolio. Die nachfolgende Übersicht zeigt, in welchem Verhältnis die Werte der geschlossenen Fonds im Vergleich zu den Aktienmärkten in Zeiten großer Finanzkrisen standen.

Erst die Beimischung von alternativen Investments gegenüber Aktien und Renten führt zu einer optimalen Mischung zwischen Rendite und Risiko. Gerade bei der letzten Finanzkrise mag das Ergebnis sehr überraschen. Fairerweise muss man auch zugeben, dass es insofern auch verzerrt wird, als das die Assets vieler Geschlossenen Fonds (vom Schiff bis zur Immobilie in London) an Wert verloren haben, selbst dann wenn Ausschüttungen geleistet werden konnten.

Steuerliche und rechtliche ÜberlegungenGrundsätzlich ist Folgendes zu beachten: Unterhält die Stiftung einen Geschäftsbetrieb, gilt der ermäßigte Steuersatz von 7%. §12 Abs. 2 Nr. 8a UStG. Hingegen sind Einnahmen aus Kapitalvermögen steuerfrei. In der Satzung der Stiftung sollten Investitionsgrundsätze nicht zu eng gefasst sein, um möglichst viele Chancen wahrnehmen zu können.

Bei geschlossenen Fonds muss grundsätzlich beachtet werden, dass eine Veräußerung meistens nur über den so genannten Zweitmarkt erfolgen kann und somit keine tägliche Verfügbarkeit wie bei Investmentfonds erfolgt. Im Stiftungsvermögen ist diese geringe Liquidität eigentlich vernachlässigungswert, das der Kapitalstock über Jahrzehnte („für die Ewigkeit“) im Stiftungsvermögen verbleiben sollte.

Möglichkeiten von Beteiligungen im StiftungsvermögenWir möchten einige Beteiligungsmöglichkeiten kurz umreißen und an dieser Stelle auf defensive Möglichkeiten beschränken, die zudem eine stabile Ausschüttung versprechen. Die schon erwähnten Unsicherheiten am Anleihenmarkt mit den Szenarien von Zinssteigerungen und Inflationsängsten und gleichzeitig zum Teil immer noch sehr günstigen Einstieg bei Sachwerten lassen die Einbindung von Geschlossenen Fonds im derzeitigen Marktumfeld noch wichtiger erscheinen. Stiftungsvermögen sind in der Vergangenheit nicht durch Wirtschaftskrisen und schwachen Entwicklungen einzelner Anlageklassen vernichtet worden (mit einer entsprechenden Streuung ist dem durchaus entgegen zu wirken – sondern durch den Verfall von Währungen.

Stabile Erträge in Form von regelmäßigen Ausschüttungen stehen bei den Investments im Vordergrund. Als Klassiker kann hier der Geschlossene Immobilienfonds genannt werden. In erster Linie investieren diese Fonds in Büroimmobilien in bester Lage. Langfristige Mietverträge und bonitätsstarke Mieter sollten für einen stabilen Cash Flow sorgen. Das Angebot reicht von deutschen Immobilienfonds bis zu Angeboten in Japan oder Australien. Neben klassischen Büroimmobilien werden auch Einzelhandels-, Wohn- oder Logistik-Immobilienfonds angeboten. Immobilien-Zweitmarktfonds bieten zudem ein Portfolio von Immobilienfonds mit einer Zeichnung.

Als Beispiel eines erfolgreichen Stiftungsfonds wird immer wieder der Fonds der Yale Universität angeführt. Das Geheimnis war und ist die Beimischung konjunkturunabhängiger Assets wie Wald oder Rohstoffe (zum Beispiel Öl). Auch hier hat die Welt der Beteiligung einige Angebote. Auch der Private Equity Bereich, der bei Yale eine große Rolle spielt kann abgedeckt werden, wobei hier beachtet werden sollte, dass diese Fonds in der Regel keinen oder nur einen zu vernachlässigenden laufenden Ertrag liefern.

Selbst der volatile Schiffsbereich bietet Möglichkeiten der Investition. Im Zuge der einsetzenden Erholung von Weltwirtschaft und Welthandel mehren sich auch die Anzeichen für einen Aufschwung der Schifffahrtsmärkte. Dennoch führen nach wie vor niedrige Charterraten bei vielen ansonsten substanzstarken Schiffsgesellschaften zu Kapitalbedarf. Überbrückungskredite von Bankenseite sind aktuell schwer zu beschaffen. Viele Schiffsgesellschaften werben daher zusätzliches Kapital bei Investoren ein, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Dieses Erhöhungskapital ist mit attraktiven Konditionen ausgestattet und wird gegenüber dem ursprünglichen Eigenkapital vorrangig bedient.

Fazit:Gerade in Stiftungsvermögen erscheinen Geschlossene Fonds attraktiv. Hier sollte besonderer Wert auf eine stabile Ausschüttung gelegt werden. Eine Asset Allokation ähnlich der Stiftungsvermögen von Yale und Harvard ist zudem möglich.

Freitag, 8. April 2011

"Wasser marsch" im Depot

Während der weltweite Klimaschutz in aller Munde ist, fristet ein Thema von mindestens gleich hoher Bedeutung ein Schattendasein: die globale Wasserversorgung. Das enorme Bevölkerungswachstum und der steigende Lebensstandard in den Schwellenländern führen dazu, dass die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts darstellt. Und das bei eingeschränkter Verfügbarkeit.

Diese stark zunehmende Nachfrage ist ein idealer Nährboden für Umsatz- und Gewinnwachstum entsprechender Unternehmen. Damit avanciert Wasser zu einem interessanten Investmentthema. Stellt sich für den Anleger die Frage: wie kann ich davon profitieren? Eine Antwort gibt Bernhard Engl vom Forum Nachhaltige Geldanlagen: "Wer an der gesamten Wertschöpfungskette rund um das blaue Gold partizipieren möchte, muss zumindest ein gewisses Risiko akzeptieren. Denn die Anlagemöglichkeiten reichen von einzelnen Aktieninvestments über Aktienfonds und ETF`s bis hin zu Zertifikaten."

Die Auswahl ist im Gegensatz zu so vielen anderen Anlageklassen übersichtlich und erleichtert die Entscheidung. Aus dem Gesichtspunkt einer sinnvollen Streuung empfiehlt sich die Fondslösung, während Zertifikate oder einzelne Aktien eher für erfahrene Anleger infrage kommen. "Zertifikate und ETF`s bilden in der Regel weniger Werte ab als die klassischen Aktienfonds im Wasserbereich. Der Anleger muss also entscheiden, wie breit er diversifizieren möchte. Besonders unter Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsgedankens erscheint mir ein langfristiges Engagement in diesem Zukunftssektor generell als Depotbeimischung richtig", so Engl.

Allerdings ist nicht jedes Wasserinvestment automatisch eine nachhaltige Investition. Anleger müssen bei der Wahl des Produkts die jeweiligen Anlagekriterien ins Visier nehmen, um dann das geeignete zu wählen. Das Flaggschiff unter den Wasserfonds stammt von Pictet. Im Jahre 2000 wurde der Fonds als erster seiner Gattung lanciert, gefolgt von den Konkurrenten der Häuser KBC und SAM. Weitere Wasserfonds - vor allem von Schweizer Anbietern - kamen erst in jüngerer Vergangenheit auf den Markt, so dass beim Performancevergleich über fünf Jahre auf fondsweb.de auch nur die drei genannten Produkte aufgelistet werden. Und siehe da: das Urgestein weist mit 12,18 Prozent Wertzuwachs (Stand 1.2.2011) die mit deutlichem Abstand beste Rendite auf.

Innerhalb des Wasserbereichs wird den Sektoren Infrastruktur und Aufbereitung enormes Wachstums- und damit Renditepotenzial zugetraut. Allein der Zustrom in die großen Städte Chinas von einigen Millionen Menschen hat einen massiven Ausbau der Wasserinfrastruktur zur Folge. Die Erstellung von Klärwerken geht mit dieser Entwicklung einher und sorgt auf lange Sicht für volle Auftragsbücher betreffender Unternehmen. Und in den Industrienationen sorgt der Bedarf an Erneuerung und Reparatur der Wasserinfrastruktur für Großaufträge.

Zahlreiche Produktanbieter sehen nicht zuletzt aufgrund der Wachstumsprognosen einen Megatrend beim Thema Wasser. Tatsächlich spricht das begrenzte Trinkwasseraufkommen bei schier grenzenlosem Bedarf dafür, dass Wasserinvestments für Anleger attraktive Renditechancen bieten. Wer nicht völlig risikoavers in seiner Investmentstrategie ist, für den könnte es lauten: "Wasser marsch" im Depot.

Finanzethik oder Common Sense

Ethik ist ein großer, einschüchternder Begriff. Er wirkt wie Gerechtigkeit, Freundschaft oder Nachhaltigkeit, so schwer erreichbar, so fern und so unnahbar. Wenn diese Ethik dann noch mit den Worten „Finanz“ oder „Wirtschaft“ kombiniert wird,  brechen alle Dämme.
Ich höre oft bei meinen Vorträgen, Consultingeinsätzen oder Buchbesprechungen Aussagen wie „das passt ja überhaupt nicht zusammen“, „keiner dieser Schlipsträger wird verzichten“ oder „die benutzen das doch nur als Feigenblatt“. Wer sind aber „die“ oder was ist „das“? Unsere Demokratie ist nicht ideal, aber die Grundlage von Freiheit. Freiheit heißt aber auch, dass das Wirtschaften der Freiheit unterliegen muss. Und das hat nichts mit Neoliberalismus zu tun. Oder wollen wir lieber die kommunistische Planwirtschaft? Natürlich muss der Staat als Korrektiv wirken, aber eben eher zurückhaltend.

Altruismus und Selbstlosigkeit sind wunderschön, können aber nicht Basis einer Gesellschaftsordnung sein. Die zeigt auch ein Artikel in der Welt, der am 28.10.2010 mit dem Titel „100 Jahre jüdische Kommune“ erschien. Das Credo der Kibbuzbewegung – das Idealbild einer nicht materialistischen Wertegemeinschaft - war jahrzehntelang, dass es kein Privateigentum geben sollte. Die Häuser der Siedlungen gehörten allen, gegessen wurde gemeinsam im Speisesaal, und das von der Gemeinschaft zugewiesene wenige Taschengeld gab man in Form von Gutscheinen im kibbuzeigenen Tante-Emma-Laden aus. Gearbeitet wurde durchschnittlich nur 20 Stunden die Woche, der israelische Staat subventionierte die Agrarerzeugnisse lange sehr hoch, damit es bei aller Bescheidenheit reichte. Aber seit Jahren setzt nun ein  schleichender Prozess der Veränderung ein. Die Bewohner der Kibbuzim sehnen sich nach ihrer eigenen Küche im Haus, Urlaub, einem Auto oder auch einem eigenen  Haus, das man vererben kann.  So das Zitat aus der Welt. Was zeigt aber dieses Beispiel? Gemeinnützigkeit braucht auch ein starkes Gegengewicht. Wenn der israelische Staat dieses soziale Experiment nicht aus Steuergeldern von wirtschaftsorientierten Israelis finanziert hätte, wäre wahrscheinlich kein 100-jähriges Bestehen möglich gewesen.

Werfen wir einen Blick auf die deutschen Sozialprojekte. Der Staat ruft immer nach den starken Schultern, die weitere Steuererhöhungen tragen können. Und viele deutsche Stiftungen konnten von wohlhabenden Stiftern gegründet werden, weil diese geschäftlich erfolgreich waren. Wirtschaftlicher Erfolg schließt also Ethik nicht aus. Natürlich gibt es Fälle – und zwar viel zu viele –, bei denen Vermögen und Reichtum durch Betrug, Schädigung anderer und pure Gier angehäuft wurden. Aber in den heutigen Zeiten kann diesem Phänomen entgegengewirkt werden. Wenn in Tunesien und Ägypten derzeit Menschen in der Lage sind, sich von Potentaten und Diktatoren unter der andauernden Angst des Verlusts ihres eigenen Lebens zu befreien, wird es uns in Europa doch möglich sein, Firmen mit ethischem, sozialem und ökologischem Gewissen durch unser Kaufverhalten zu unterstützen. Das Regulativ in einer sozialen Marktwirtschaft ist der ökonomische Erfolg. Wenn eine Firma Billigprodukte anbieten kann auf Grund von Kinderarbeit, sollten wir dort nicht mehr einkaufen. Und wenn eine Bank schlecht und anlegerschädlich berät, ziehen wir unser Geld dort ab. Es gibt immer eine qualitativ bessere Alternative. Doch wir müssen konsequent handeln und dem Unternehmen zeigen, dass uns ethischer Umgang mit Kunden und Mitarbeitern wichtig ist. Gesunder Menschenverstand – englisch „common sense“ – bewirkt langfristig diese Veränderung. Dies verstehe ich unter gelebter, pragmatischer oder auch sinnvestiver Finanzethik. Damit es aber nicht nur beim Reden bleibt, habe ich gehandelt:

Der Businessclub „United Common Sense“ soll institutionellen Investoren, semiprofessionellen Anlegern und Privatanlegern die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen über gute nachhaltige Geldanlage intensiv auszutauschen und Fachliches zu diskutieren. Der „vereinigte gesunde Menschenverstand“ kann dann zu einer Marktmacht werden. Die Mitgliedschaft bleibt vertraulich und kann in der Gründungsphase auf Antrag, später jedoch nur noch auf Empfehlung von Clubmitgliedern erfolgen. Veranstaltungen finden immer im persönlichen und nicht öffentlichen Rahmen statt.

Verbunden wird dies mit dem intensiven und mentorenorientierten Engagement des Clubs in der Förderung von finanzwirtschaftlicher Bildung in Schulen, Universitäten sowie bei Young Professionals. Dazu wird in Kürze ein Wettbewerb ausgelobt für zielführende Diplom- und Promotionsarbeiten zu diesem Thema sowie eine Summer School 2012 zum Thema nachhaltige Geldanlage und Finanzethik vorbereitet. Ziel ist es, eine Think Tank zu diesem Thema zu etablieren.