Laut Bundesnetzagentur wurden im letzten Jahr rund 7 GWp (Gigawattpeak) Photovoltaikleistung bundesweit neu installiert. Für die Branche ein Erfolg, trotz der drastische Vergütungskürzungen. Denn im Vergleich zum Jahr 2009 wird Strom aus Anfang des Jahres 2011 in Betrieb genommenen Anlagen mit 35 % weniger vergütet. Eine noch höhere Absenkung fordern Kritiker der Solarenergie. Der Branchenverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) und der Bundesumweltminister Röttgen (CDU) haben sich schon im Januar darauf verständigt, die Vergütung bei einer hochgerechneten Neuinstallation von über 3,5 GWp bereits zum 1. Juli 2011 zu senken, vorbehaltlich des gesetzlichen Beschlusses versteht sich. Basis für die Berechung der Absenkung wäre die neu installierte Photovoltaikleistung in den Monaten März bis Mai 2011. Die Kürzung würde je nach Marktwachstum abermals zwischen 3 und 15 % betragen.
Initiatoren mit Solarfonds im Bundesgebiet, stehen erneut vor der Hausforderung attraktive Beteiligungen zu konzipieren. Im Klartext: der Kaufpreis und die laufenden Kosten müssen so niedrig sein, dass die Rendite für den Anleger stimmt. Andernfalls bleiben die Zeichnungen aus, der Fonds verkommt zum Ladenhüter.
Der Chef, der auf Umweltfonds spezialisierten Chorus Gruppe, Peter Heidecker ist hingegen skeptisch und erklärt „Im Moment ermöglichen die Modulpreise eigentlich noch keine Anschaffungskosten, die zu ordentlichen Fondsrenditen führen. Ich befürchte, dass sich bei neu auf den Zug aufgesprungenen Initiatoren in der einen oder anderen Fondskalkulation Fehler wiederfinden und in deren Folge die Fondsprognose nicht erreicht wird. Zu niedrig angesetzte Fremdfinanzierungskosten, zu geringe Wartungskosten oder auch unrealistische Verkaufserlöse sind Stellschrauben, um die Prognoserendite optisch zu puschen.“
Die Kürzungen in Deutschland sind ein Grund, weswegen zahlreiche Initiatoren den Weg ins Ausland suchen. Doch auch hier haben Initiatoren mit Kürzungen und Begrenzungen zu rechnen, jedenfalls dann, wenn ein gesetzlich geregelter Vergütungsmechanismus besteht.
Italien beispielsweise senkt die Vergütung mittelgroßer Solarparks vom 34,56 ct / kWh in 2010 in drei Schritten auf 25,6 ct / kWh bis Ende 2011 ab. Eine Hürde, die aus Sicht der Konzeption zu meistern ist, sagt Hermann Klughardt, Geschäftsführer von Voigt & Collegen aus Düsseldorf. „Wir als Emissionshaus und unsere Generalunternehmer können auf dieser Basis planen. Dank höherer Sonnenscheindauer und fallender Gestehungskosten, können sinkende Einspeisevergütungen ausgeglichen werden“.
Schwieriger ist die Situation in Frankreich, konstatiert Max-Robert Hug von Leonidas. „Bereits zum 01.09.2010 wurde die Vergütung um 10 % reduziert. Seit Dezember steht zudem fest, dass durch das eingeführte Moratorium nur noch Anlagen, bei denen noch bis August 2010 die Genehmigung beantragt, bestätigt und der Netzeinspeisepunkt bezahlt wurden, die hohe Vergütung aus dem ersten Halbjahr 2010 behalten wird.
Viel weiter im Westen, in Kanada laufen die Projektprüfungen bei MPC Capital auf Hochtouren. „Die Rahmenbedingungen des Solarstandortes Ontario im Süden Kanadas sind überzeugend. Uns liegen zahlreiche interessante Angebote vor“, sagt Michael Benninghoff, Pressesprecher des Hamburger Emissionshauses. „Doch in unserer Due Diligence zeigt sich: nicht jedes Projekt hält, was es im Angebot verspricht.“
Für Ulrich Uhlenhut, Vorstand der Wattner AG, liegt neben Großbritannien ein künftiger Markt in den USA. Eine gesetzlich geregelte Einspeisevergütung gibt es in den Vereinigten Staaten nicht. „Mit individuellen Power Purchase Agreements (PPA), etwa mit lokalen Energieversorgern, ist der langfristige Verkauf und die Vergütung des erzeugten Stroms abgesichert. Politische Stabilität, und ein ähnliches Werteverständnis sprechen unter anderem für den Standort USA.“
Fazit: Fondsinitiatoren sind verstärkt auch im Ausland auf der Suche nach Solarparks. Länder rücken ins Blickfeld, in denen individuelle Vereinbarungen und keine gesetzlichen Vergütungsregelungen den Stromverkauf sichern. Bei Fonds mit über Marktniveau liegenden Rendite bzw. Ausschüttungsprognosen ist zu prüfen, ob die Kalkulationsannahmen auf realistischem Niveau getroffen sind.


