Sich auf Finanzethik zu berufen ist erste Politikerpflicht. Die herrschende Klasse macht sich an aller vorderster Front stark für Anlegerrechte und beschließt mit Pauken und Trompeten neue Schutzbestimmungen, die angeblich den Kleininvestor vor Schaden bewahren sollen. Dies alles verdeckt aber lediglich die seit Jahren herrschende groß angelegte Anlegertäuschung, die von Staats wegen vollzogen wird. Denn der Staat ist nicht mit privatwirtschaftlichen Maßstäben zu messen, da er ein Gesetz, das ihm nicht passt, einfach ändert. Merkels Wort von der alternativlosen Rettung der Eurozone wird in die Geschichtsbücher als kompetenzfreies Laienspiel eingehen. Im Folgenden einige Beispiele , die diese vorstehende Behauptung unterstreichen:
Lieblingsthema Sicherheit
Im magischen Dreieck bzw. Investitionsviereck wird von den Anlegern vor allem in Krisenzeiten das Wort Sicherheit hochgehalten. Geschlossene Fonds gelten hierbei als besonders unsicher, Festgeld oder Staatspapiere als besonders sicher. Dass hinter vielen
geschlossenen Fonds nachhaltige Sachwerte stehen, wird dabei geflissentlich verschwiegen. Staatsanleihen mancher Länder können hingegen als waffenscheinpflichtig angesehen werden. Der Grund liegt in der explodierenden Staatsverschuldung und der fehlenden
Haushaltsdisziplin der Politikerkaste. Inzwischen ist klar, dass Portugal, Irland und Griechenland in der Eurozone ohne die Hilfe der anderen EU - Staaten längst pleite wären. Kürzlich hat in einem Beitrag der Welt online ein amtierender Minister der griechischen Regierung zugegeben, dass von Anfang der Krise an klar war, dass Griechenland umschulden müsse. Hierbei ist der Begriff „Umschuldung“ wiederum eine Verniedlichung – da er nichts anderes bedeutet als eine Verlängerung der Rückzahlzeit, eine Kürzung der Zinsen und/oder eine quotale Absenkung des Rückzahlbetrags. So kann es passieren, dass beispielsweise ein Anlegervon griechischen Staatsanleihen, der sich mit 90 Prozent nach Beginn der Krise mit Anleihen eingedeckt hat, lediglich nur mehr 80 Prozent zurückerhält. Dass hierbei Vorsatz zum Anlegerbetrug herrscht, sieht man in einem Zitat eines „hochrangigen“ IWFVertreters in eben diesem Zeitungsbeitrag, der bestätigt, dass man zu Beginn der Unterstützungsmaßnahme vereinbart hatte, eine Umschuldung bis zum letzten Augenblick zu dementieren. Wenn dies eine Aktiengesellschaft nach geltendem Aktienrecht machen würde, würden die Vorstände angeklagt werden. Aber selbst Deutschland würde nach privatrechtlichen Maßstäben nicht sehr gut dastehen, denn neben rund zwei Billionen Euro Schulden stehen laut Medienberichten rund drei Billionen Euro zukünftige Verbindlichkeiten wegen Renten forderungen von Staatsdienern in den Büchern. Ganz zu schweigen von weiteren Schatten- und Nebenhaushalten. Aber auch die Kompetenz von staatlichen Kontrollinstanzen muss hinterfragt werden. So hatte die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) bei der Gründung der Noa-Bank übersehen, dass die für Banken übliche Eigenkapitalanforderung von frei verfügbaren fünf Millionen Euro anscheinend von den Noa-Bank Verantwortlichen umgangen wurde. hierbei stellt sich die Frage, wieso man den so genannten grauen Kapitalmarkt kontrollieren möchte, wenn man nicht einmal den weißen im Griff hat.
Wann wird Renditehunger zu Gier?
Derzeit wirbt eine große deutsche Bank mit zwei Prozent für Neukunden auf Festgeld, wohingegen der nicht so gut informierte Freund in der Fernsehwerbung nur ein halbes Prozent bekommt. Es scheint, dass Deutschland bescheiden geworden ist. Denn gute Renditesätze von fünf oder sieben Prozent sind - wie man am Beispiel Griechenland, Portugal oder Irland sieht - nur noch mit erhöhten Risiken verbunden. Aber ist das eine neue Erkenntnis? Zur allgemeinen Beruhigung kann man sagen, es war immer schon so. Nur will es keiner wahrhaben. Im Grunde des Herzens ist nämlich selbst der Deutsche ein Zocker. Jede Woche liefern viele Deutsche im Durchschnitt 12,50 Euro beim beliebtesten Optionsschein deutscher Haushalte ab. Es ist der Lottoschein mit einer quasi zielorientierten Vermögensvernichtung. Denn um einen Sechser mit einem durchschnittlichen Gewinn von 500.000 oder einer Million Euro zu ergattern,
muss er eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 1:14 Millionen überwinden. Das wäre so, wie wenn er in der südkoreanischen Hauptstadt
Seoul in der U-Bahn einen Schirm liegen lässt und dann eine beliebige Telefonnummer der Hauptstadt Seoul mit seinen 14 Millionen Anwohnern anruft und fragt, ob dieser Angerufene den Schirm gefunden hat. Und wir sprechen hier jetzt nur von einem Sechser und
nicht von einem Sechser mit Zusatzzahl. Dieser hat eine Wahrscheinlichkeit von 1:140 Millionen, also in etwa, in unser U-Bahnspiel übertragen, auf mehr als eineinhalbmal Deutschland. Wenn der eifrige Lottospieler diesen wöchentlichen Spieleinsatz – also insgesamt 50 Euro pro Monat – in einen Aktienfonds investieren würde, hätte er nach dreißig Jahren ein deutlich sechsstelliges Vermögen angespart. Aber Sie merken, auf was ich hinaus will. Der Anleger würde jetzt sagen, nein, Aktienfonds sind mir zu risikoreich.
Neurofinanzwissenschaftliche Untersuchungen haben interessanterweise ergeben, dass bei einem genügend hohen Zinssatz jedoch jeglicher Zweifel ausgeschaltet wird. So ist zu erklären, warum zwar Anleger bei acht oder zehn Prozent misstrauisch werden, dieselben
Investoren bei 20 Prozent jedoch die Geldanlage zeichnen wie derzeit bei griechischen Anleihen.
Nachhaltigkeit ist en vogue
Nachhaltigkeit ist doch etwas Schönes. Alle reden darüber, aber jeder versteht etwas anderes darunter. Dies hat für Nutzer des Wortes einen entscheidenden Vorteil, weil sie sich an nichts halten müssen. Verbindliche Definitionen sind selten und auch schwierig. Denn bei dem Wort Nachhaltigkeit handelt es sich um einen nicht normativen Begriff, ähnlich wie Gerechtigkeit, Sicherheit oder Schönheit. Aber er hört sich nun einmal verdammt gut an. Alles ist derzeit nachhaltig: Der Unternehmenszweck, die Bilanz, die Ziele, die Produktion bis hin zur Geldanlage. Eine Orientierung kann man bekommen, wenn man sich weitere Fragen stellt. Ist eine nachhaltige Geldanlage sinnvoll? Ist die Investition mit gesundem Menschenverstand betrachtet in Ordnung? Kann ich meine Lebensziele und Wertevorstellungen mit dieser Geldanlage vereinbaren? Und allein an den Fragestellungen sieht man, dass eine nachhaltige Geldanlage sehr stark von der individuellen Vorstellung und den Wünschen abhängt. Um auf unsere Ausgangsthematik zurückzukommen und eine Versicherungsanlage zu zeichnen, sollte man sich die Zeit nehmen, den Paragraphen 89 Absatz 2 des Versicherungsaufsichtsgesetzes zu lesen. Hierin wird beschrieben, dass im Falle einer Insolvenz eines Versicherungsunternehmens die Versicherungsgesellschaft Leistungen aus den Versicherungsverträgen kürzen oder einstellen kann. Die Pflicht aber der Beitragszahlung des Versicherungsnehmers bleibt bestehen. Diesen Paragraphen verantwortet eine Bundesregierung ebenso wie gerade die viel diskutierte Zahlungsverpflichtung von Atombetreibern in den erneuerbaren Energiefonds. Bei letzteren sollen Atomkonzerne weiterhin Abgaben zum Ausbau der erneuerbaren
Energien jährlich bezahlen, obwohl durch den Atomausstieg sie mit den Atomkraftwerken keinen oder nur einen geringen Ertrag erzielen. Ein Politiker, der dies mit Überzeugung fordert, ist derart von der Wirklichkeit entrückt, dass er eher heute als morgen sein Amt aufgeben sollte. An diesen Beispielen wollte ich aufzeigen, dass wir weit weg sind von dem Thema einer angewandten Finanzethik, sondern dass ganz einfache Dinge wie Vertragswahrheit, Vertragsklarheit und Transparenz wünschenswert wären. Keinen vorsätzlichen Betrug am Anleger zu begehen, sollten vorrangiges Ziel und Mindestvoraussetzung von Politikern sein. Welchen Erfolg die Politik in der Führung von Unternehmen, insbesondere von Banken, gezeigt hat, sieht man an Beispielen wie der KfW bzw. der IKW oder der HRE .